Rio/Höfner Club 40, Schweiz, 1955-58

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Rio/Höfner Club 40, Schweiz, 1955-58

Instrument:
Der Schweizer Pionier Karl Schneider baute die vielleicht erste europäische Gitarre mit elektrischer Verstärkung. Er gründete seine Firma 1944. Der Familienbetrieb stellte hochwertige E-Gitarren, Jazzgitarren und Hawaiigitarren her. Als der Absatz in den fünfziger Jahren mehr und mehr wuchs, kaufte er hochwertige Halbteile von anderen, vorwiegend deutschen Herstellern. Auch kam seine gesamte Hardware und Elektrik aus Deutschland. Nur der finale Zusammenbau erfolgte in der Schweiz in Riehen bei Basel. Karl Schneiders Einfluss auf den europäischen Gitarrenbau wird heute völlig unterschätzt und der kreative Pionier ist fast vergessen. Die Firma Rio existierte bis 1981, er selbst starb 1998. Die Club ist natürlich der Gibson les Paul nachempfunden, geht mit ihrem Korpus und Pickup aber einen ganz anderen Weg.

Material:
Der hohle Höfner-Korpus hat eine massive Fichtendecke, Seiten und Rücken sind aus Ahorn. Der dreiteilig längs verleimte Hals stammt vermutlich von einem süddeutschen bzw. fränkischen Halsmacher oder von Rio selbst, er ist aber sicher nicht als Höfner-Teil zuzuordnen. Er trägt ein Griffbrett aus schön gemasertem Palisander mit weiß belegter Kopfplatte und fünf weißen Celluloid-Rechteckeinlagen. Die kompensierte Ebenholz-Brücke stammt wieder von Höfner, wie auch die Perloid-Reglerplatte. Das Schlagbrett dürfte eine Rio-Eigenkreation sein. Dazu offene-Schaller-Mechaniken und ein massiver ABM-Müller Saitenhalter.

Elektrik:
Kern ist der Stegtonabnehmer – ein alter Original-Höfner-Pickup, der erste von Höfner überhaupt. Er wurde noch von Walter Höfner selbst designt und heißt Typ 1. Dieser Tonabnehmertyp wurde nur zwischen 1955 und 1958 gebaut und ist in einem Ebenholzgehäuse untergebracht. Dazu eine Standard-Klinkenbuchse sowie ein Ton- und ein Volumenregler.

Geschichte:
Als wir die Gitarre bekamen, war sie vollständig abgewirtschaftet und verbastelt. Die Elektrik funktionierte nicht mehr, die Regler waren bis zur Auflösung korrodiert und als Anschlussmöglichkeit wackelte eine ausgeleierte DIN-Dreipolbuchse in einem viel zu großen Loch herum. Die Korpusleimung war aufgegangen, der Hals löste sich vom Korpus, die Reglerknöpfe fehlten, die Nickelauflage des Saitenhalters war komplett weggerostet, auch die Mechaniken waren ein einziger, nicht mehr gängiger Rosthaufen mit gesplitterten Griffen. Das Logo war nur noch in Fragmenten vorhanden. Die Gitarre ging wahrscheinlich durch unzählige Hände und wurde am Ende vermutlich nur noch schnell weiterverkauft, weil so eine Restauration den Laien komplett überfordert.

Restaurierungsarbeiten:
Korpus sauber neu verleimt, Hals ordentlich neu eingeleimt. Gründliche Reinigung und Politur. Alte Schraubenlöcher sowie das riesige Steckerloch geschlossen und retuschiert. Neues Rio-Logo aufgebracht. Griffbrett abgezogen, geölt und poliert, Bundstäbchen abgerichtet und poliert. Mechaniken durch überholte, offene Schaller-Modelle aus den frühen Sechzigern ersetzt. Verrosteten Saitenhalter durch ein identisches, altes New-Old-Stock-Teil aus unserem Kirschnek-Bestand ersetzt. Brücke und Schlagbrett aufgearbeitet. Elektrik vollständig neu aufgebaut. Der Pickup ist ein niederohmiger Exot mit nur 56 Millyhenry Induktivität, das entspricht nur rund 1/100 eines normalen Typs. Die Ausgangsspannung ist sehr niedrig, alleine würde er am Verstärker recht leise klingen. Deshalb haben wir einen speziell dazu passenden externen Vorverstärker gebaut, der das Ausgangssignal etwa 10 bis 20 Mal verstärkt. Er ist natürlich im Kaufpreis inbegriffen. Außerdem haben wir die Magnetleistung durch sechs, unten aufgeklebte Neodym-Magnete erhöht. Volumen- und Tonregler sind neu, ebenso die Standard-Klinkenbuchse. Standard-Regler aus den frühen Sechzigern montiert, wie sie bei Rio häufig verwendet wurden. Die Optimierung von Pickup und Reglern sowie den Bau des perfekt angepassten Vorverstärkers hat Elektrik-Guru und Buchautor Helmut Lemme für uns ausgeführt.

Aktueller Zustand:
Die Rio ist nach einer langen Bastelkarriere nun wieder zu einhundert Prozent einsetzbar und praktisch besser als neu. Sie strahlt dabei aber ihren ganzen Vintage-Spirit aus, ist natürlich perfekt sauber und geruchsfrei. Alle Leimstellen sind bombenfest, der Hals ist gerade und mit einem sehr niedrigen Saitenabstand perfekt und neuzeitlich bespielbar. Griffbrett und Bundstäbchen sind wie neu. Dabei kann man das Leichtgewicht auch bei langen Gigs ohne Belastung umhängen. Der Klang ist – vor allem mit dem Vorverstärker – wirklich überwältigend! Er hat alles, was die legendären Höfner-Club-Modelle berühmt gemacht hat! Klar, transparent, rockig, aber eine E-Gitarren-Charakteristik mit viel Holz im Sound. Der Bridge-Pickup liefert einen individuellen und unverwechselbaren Sound. Dies ist ein Sammlerstück mit großem Wertzuwachspotenzial, aber vor allem ein fantastischer Player und im Gegensatz zu seinen Höfner-Geschwistern ein sehr seltenes Exemplar. Uns ist in den letzten Jahrzehnten nur eine weitere Rio Club begegnet.

Maße:
Länge über alles 99 cm; Länge Korpus 45 cm; Unterbug 33 cm, Taille 19,7 cm, Oberbug 24,5 cm; Zargenhöhe 4,5 cm; Mensur 64,5 cm (Sattel bis Steg); Breite Griffbrett am Nullbund 4,4 cm, am 12. Bund 5,4 cm; Gewicht 1.740 g; Saitenabstand 12. Bund 1-2 mm.

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