Roger Junior, 1952

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Instrument: Seinerzeit die teuersten Jazzgitarren, die man kaufen konnte, heute seltene... mehr
Roger Junior, 1952

Instrument:
Seinerzeit die teuersten Jazzgitarren, die man kaufen konnte, heute seltene Raritäten mit unerreicht gutem Klang: Die frühe Roger Junior aus der Berliner Zeit der Rossmeisls mit Original-Tonabnehmer setzt immer noch Maßstäbe. Ein schweres und massives Stück deutscher Gitarrengeschichte. Hier in der verbreiteten braun schattierten Lackierung. Die Seriennummer 860 bedeutet, dass sie im Januar 1952 von Wenzel Rossmeisls Sohn und Gitarrenbaumeister Roger Rossmeisl gebaut wurde, kurz vor dessen Auswanderung nach USA.

Material:
Die massive, 7 mm starke Decke besteht aus extrem feinjährigem und hochwertigstem Fichtenholz in der legendären German-Carve-Form. Diese Entwicklung ließen sich die Rossmeisls patentieren: Eine starke Hohlkehle läuft um die gerade Decke. Boden und Zargen sind aus massivem Ahorn gefertigt, der Boden wie alle Berliner Roger-Gitarren vollständig gerade. In dieser Zeit gab es einfach nicht genug gutes Material, um auch die Böden in German-Carve-Bauweise anzufertigen. Der Hals ist inkl. Kopfplatte und Halsfuß durchgehend gefertigt, er besteht aus drei längs verleimten Ahornstücken. Das neu angefertigte Griffbrett ist amerikanischer Nussbaum, es trägt die alten, aus dem vorigen Griffbrett entnommenen cremeweißen Celluloideinlagen in fünf Bünden. Der Hals hat eine unsichtbare, innenliegende Verstärkung aus zwei Aluschienen. Entgegen den damaligen Standards gibt es keinen Nullbund, das war bei den Rossmeisls üblich. Offene Schaller-Einzelmechaniken. Originaler Roger-Halstonabnehmer mit Klinkenbuchse im Unterbug. Massiver, vernickelter Messing-Saitenhalter von ABM Müller. Ebenholz-Brücke und Schlagbrett aus echtem Schildpatt (Tortoise). Originales Roger-Kunststoff-Logo aus den sechziger Jahren.

Geschichte:
Weitgehend unbekannt. Aber die Gitarre war nach einem bewegten Leben völlig schrottreif. Das Eichen-Griffbrett voller tiefer Riefen, die Bundstäbchen abgespielt bis aufs Holz. In der Decke klaffte ein großes, ausgesägtes Loch, in dem wohl irgendwann einmal ein unpassender Tonabnehmer eingelassen war. Die gesamte originale Hardware fehlte bzw. war durch unpassende Neuteile ersetzt. Die gesamten Lackflächen waren extrem verkratzt und gerissen, der Lack schon großflächig abgeblättert. Ein unpassender, billiger Plastiksattel war montiert und viel zu tief eingefeilt worden. In Summe war die Gitarre ein unspielbares Wrack.

Restaurierungsarbeiten:
Korpus und Hals wurden getrennt. Die Lackflächen des Korpus wurden vollständig abgeschliffen, das ausgesägte Tonabnehmerloch mit einem Stück Fichte sauber und perfekt bündig verschlossen. Die Decke schwingt nun wieder einwandfrei. Der Lack wurde dann aufwändig neu aufgebaut, die alte Farbgebung auflackiert und die Oberfläche abschließend mit Schellack veredelt und poliert. Auch der Hals wurde vollständig abgeschliffen, das zerstörte Griffbrett entfernt. Zwei Aluprofile sind nun unsichtbar zur Verstärkung eingearbeitet. Ein neues Griffbrett aus amerikanischem Nussbaum wurde angefertigt, als farbliche Vorlage dienten die damaligen, von den Rossmeisls häufig verwendeten Eichengriffbretter. Da die originalen Griffbretteinlagen aus cremeweißem Celluloid noch genug Material hatten, wurden sie wieder verwendet, ins neue Griffbrett geleimt und plan geschliffen. Natürlich hat das Griffbrett auch neue Bundstäbchen bekommen. Auch der Hals bekam eine neue Lackierung nach alter Vorlage mit Schellack. Da durch das komplette Abschleifen auch das alte Roger-Logo verloren ging, wurde ein neues Plastikspritzgussteil aufgeklebt, wie es ab 1964 bei Roger-Gitarren zum Einsatz kam. Es ist ein unbenutztes Roger-Original aus alten Beständen. Nach dem Einleimen des Halses ging es an die Endmontage. Ein Knochensattel wurde angefertigt und aufgeleimt. Der originale Roger-Tonabnehmer im Art-Deco-Stil stammt aus den fünfziger Jahren, er ist wie damals ohne Regler direkt mit einer Klinkenbuchse (aktueller Standard) im Unterbug verbunden. Aus unseren alten Kirschnek-Beständen stammen der schwere, massive ABM-Müller-Saitenhalter, die Ebenholz-Brücke und die alten Schaller-Mechaniken mit cremeweiß marmorierten Perloidgriffen. Etwas Besonderes ist das Schlagbrett: Wir hatten noch zwei Tafeln originales Schildpatt aus den vierziger Jahren vorrätig! (Die Herstellung ist heute aufgrund der leichten Brennbarkeit verboten.) Für diese Gitarre haben wir aus einer dieser Tafeln ein Schlagbrett nach Originalvorlage angefertigt und es an den Pickup-Ausschnitt angepasst. Der Bügel ist ein ebenfalls originales Teil einer Roger. Abschließend haben wir noch neue 11er Roundwound-Saiten montiert und ein vollständiges Setup durchgeführt. Insgesamt folgt der Wiederaufbau der Gitarre dem alten Originalzustand soweit es nur möglich war.

Aktueller Zustand:
Der einzige Superlativ, der hier noch passt, ist tatsächlich „besser als neu“! Die 1952er Lackierung war nie so perfekt wie die aktuelle aus Schellack und an die Qualität des Griffbretts ist das alte Eichenteil nicht herangekommen. Auch wenn keines der Hardwareteile mehr original ist, entsprechen sie alle dem Originalzustand und sind zeitgemäß. Die überholten Mechaniken funktionieren perfekt und glänzen wie neu. Brücke und Saitenhalter sind New Old Stock. Das Schildpatt-Schlagbrett hat von der rund achtzigjährigen Lagerung der Platte einige Kratzer, glänzt aber ansonsten wie neu und ist an sich schon eine Rarität. Der Pickup ist ein Roger-Original aus den fünfziger Jahren. Mit ihren siebzig Jahren scheint die Junior aus einer Zeitmaschine gefallen zu sein und erzeugt nur ungläubige Blicke. Sie hat einen wunderbar vollen Klang mit viel Volumen – hier hört man das massive Holz! Die dicke Decke verlangt nicht zu dünne Saiten und einen beherzten Anschlag für volle Soundentfaltung, wie alle Roger-Gitarren. Einfacher geht’s verstärkt: Der Tonabnehmer funktioniert einwandfrei liefert einen einmalig weichen, warmen, holzfarbenen Klang. Die Bespielbarkeit ist mit dem revidierten Hals neuwertig – mit knapp 2 mm am 12. Bund entspricht das Setup fast E-Gitarren-Maßen. Schäden, Makel, Macken oder ähnliches gibt es nicht mehr, die Gitarre ist 100% geruchsfrei und sauber! Ist das ein Highlight für die klimatisierte Vitrine? Ein 70 Jahre alter, exklusiver Player? Wertanlage? Alles zusammen? Das zu bewerten, überlassen wir dem neuen Besitzer. Fakt ist nur, dass es eine Roger in diesem Zustand eigentlich nicht zu kaufen gibt. Ihr Zustand entspricht den Toprestaurationen eines Herbert Rittinger, aber seine Gitarren sind unverkäuflich und daher unerreichbar.

Maße:
Länge über alles 106 cm; Länge Korpus 54 cm; Unterbug 42,5 cm; Taille 26 cm; Oberbug 31,5 cm; Zargenhöhe 8 cm; Mensur 64 cm (Sattel bis Steg); Breite Griffbrett am Sattel 4 cm, am 12. Bund 5 cm; Gewicht 2.750 g; Saitenabstand 12. Bund 1-2 mm.

Kauf und Zahlung:
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