Roger Junior, 1947

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Roger Junior, 1947

Instrument:
Seinerzeit die teuersten Jazzgitarren, die man kaufen konnte, heute seltene Raritäten mit unerreicht gutem Klang: Die frühe Roger Junior mit der Seriennummer 517 aus der Berliner Zeit von Wenzel Rossmeisl setzt immer noch Maßstäbe. Die Decke ist keine typische German-Carve-Decke, sondern wurde von Hand aus dem vollen Holz gearbeitet (möglicherweise von Franz Hirsch). Lange bevor die dreifarbige Sunburst-Lackierung durch die Fender Stratocaster in Mode kam, hat Rossmeisl sie hier bereits in Perfektion eingesetzt. Gegen den damaligen Zeitgeist hat er auf den Nullbund verzichtet, bevor dies Jahre später, getrieben von amerikanischen und japanische Modellen, Standard wurde. Diese 71 Jahre alte Roger ist ein schweres, massives und innovatives Stück deutscher Gitarrengeschichte mit außergewöhnlichen Details.

Material:
Im zerstörten Berlin der späten vierziger Jahre war der Großteil der Bevölkerung eher damit beschäftigt, etwas zum essen, Kohle zum Heizen, ein Dach über den Kopf zu beschaffen und Trümmer wegzuräumen. Materialien für den Gitarrenbau? Nahezu undenkbar! Dennoch gelang es Wenzel Rossmeisl, hochwertige Hölzer und Hardware für seine Gitarren aufzutreiben: Boden und Zargen sind aus laminiertem Ahorn mit einer inneren Lage aus Mahagoni. Schwere, handgestochene und massive Decke, aus einem feinjährigen Fichtenstück gearbeitet, wunderbare Form mit Hohlkehle. Neunteilig längs verleimter Hals (11-teilige Kopfplatte) aus Ahorn mit vier zentralen Streifen aus Mahagoni – wie bei Roger üblich, sehr hochwertig inkl. Halsschuh und Kopfplatte durchgehend aus einem Stück gefertigt. Äußerst ungewöhnlich das Griffbrett aus deutscher Eiche und entgegen den damaligen Standards kein Nullbund. Stattdessen eichefarben gebeizter Sattel aus Knochen. Dickes Binding um die Decke. Griffbrett aus deutscher Eiche mit sieben großen Punkteinlagen aus rosafarbenem Celluloid. Schlagbrett aus echtem Schildpatt (Tortoise). Offene, zeitgenössische Einzelmechaniken. Massiver, handgelöteter und vernickelter Messing-Saitenhalter.

Geschichte:
Unbekannt, wir erhielten sie von einem renommierten dänischen Sammler. Die Gitarre wurde vor einigen Jahren von Martin Kemmler restauriert, wir haben sie dennoch erneut vollständig überarbeitet und sie dabei soweit wie möglich wieder in einen zeitgenössischen Originalzustand versetzt. Im Laufe der Jahre gingen der originale Sattel, der Steg, der Gurtknopf und die Roger-Mechaniken verloren bzw. wurden durch unpassende Neuteile ersetzt. Z.B. einen weißen Plastiksattel… Auch hat irgendwann einmal ein totaler Ignorant (Entschuldigung…) seine Initialen schief ins Schlagbrett geritzt… Die Bundstäbchen sind noch fast neu, eine sehr gute Arbeit, mit authentischem Messing-Bunddraht perfekt ausgeführt.

Restaurierungsarbeiten:
Komplettreinigung inkl. Ausblasen des Korpus. Mechaniken vollständig zerlegt, gereinigt, komplett überholt und neu geölt. Sie sind nicht original, aber optisch wie konstruktiv perfekt passend, sehr hochwertig und aus den fünfziger Jahren. Original Nitrolack mit Ballenpolitur in mehreren Durchgängen aufgearbeitet, Griffbrett leicht abgezogen und geschliffen, dann eingeölt. Bundstäbchen poliert. Das Schlagbrett haben wir intensiv maschinenpoliert, leider waren die tief eingeritzten Initialen nicht ganz zu entfernen. Man sieht sie aber nur noch gegen das Licht aus einem bestimmten Winkel. Neuen Sattel aus Knochen angefertigt und passend zum Griffbrett eichefarben gebeizt. Setup und neue Saiten montiert.

Aktueller Zustand:
Diese wunderschöne, sehr frühe Roger ist nun wieder in einem authentischen und zeitgemäßen Topzustand. Der tief glänzende Originallack in Sunburst-Optik in Verbindung mit dem einmaligen Eichengriffbrett mit seinen großen Celluloid-Markierungen ist eine Augenweide! Die überholten Mechaniken funktionieren perfekt und glänzen wie neu. Die Gitarre hat einen herrlichen, unglaublich vollen Klang mit viel Volumen – hier hört man das massive Holz! Die dicke Decke verlangt aber eigentlich 12er-Saiten und einen beherzten Anschlag für volle Soundentfaltung. Da dies nicht jedermanns Sache ist, haben wir 11er Bronze montiert. Die Junior muss während der letzten 71 Jahre überwiegend recht pfleglich behandelt worden sein, denn es finden sich nur wenige Kratzer und Dellen, angesichts des Alters von fast 60 Jahren wirklich bemerkenswert. Der Boden zeigt diverse Lackrisse, selbstverständlich keine Brüche, Risse oder sonstige Beschädigungen im Holz, alle Leimstellen sind bombenfest. Die Bespielbarkeit ist hervorragend mit angenehm tiefer Saitenlage. Griffbrett und Bundstäbchen sind perfekt und riefenfrei. Die Gitarre ist 100% geruchsfrei und sauber! Was Rossmeisl und Hirsch hier im zerstörten Berlin der vierziger Jahre mit einfachsten Mitteln geleistet haben, verdient allerhöchsten Respekt! In diesem Zustand ein wunderbar zu spielendes Instrument, aber auch eine seltene Gelegenheit für seriöse Sammler.

Maße:
Länge über alles 107 cm; Länge Korpus 53,5 cm; Unterbug 42,5 cm, Taille 26,5 cm, Oberbug 31,5 cm; Zargenhöhe 8 cm; Mensur 64 cm (Sattel bis Steg); Breite Griffbrett am Nullbund 4,3 cm, am 12. Bund 5 cm; Gewicht 2.500 g; Saitenabstand 12. Bund 2 mm.

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