Herbert Wurlitzer 17“ Jazz, Mitte fünfziger Jahre

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Instrument: Herbert Wurlitzer, Geigen- und Gitarrenbaumeister, eröffnete 1953 seine eigene... mehr
Herbert Wurlitzer 17“ Jazz, Mitte fünfziger Jahre

Instrument:
Herbert Wurlitzer, Geigen- und Gitarrenbaumeister, eröffnete 1953 seine eigene Werkstatt in Erlbach bei Markneukirchen im Vogtland. Er absolvierte seine Ausbildung bei Oswald Bachmann (Osbama Gitarren). Seine Instrumente sind immer handwerklich meisterhaft und sehr elegant gearbeitet. Als Besonderheit findet man häufig einen von Willi Goller gebauten Rellogg-Tonabnehmer versteckt im Halsende, so auch bei unserem Modell. Der schmale Hals ist mittels Stauffer-Legnani-System nahtlos verschraubt. Die Gitarre ist ein großes 17“-Modell, aber schmal und fast schon eine Thinline. Sie stammt ungefähr aus der Mitte der fünfziger Jahre.

Material:
Massive, handgeschnitzte Fichtendecke, auch der schön geflammte Ahorn-Boden ist massiv und von Hand gestochen. Beide Teile haben die typische German-Carve-Form mit der Hohlkehle um die Ränder. Die Seiten sind ebenfalls aus Ahorn. Bis zu fünflagige Bindings um Korpus, Schalllöcher, Hals und Kopfplatte. Der Hals ist aufwändig inkl. Kopfplatte aus einem Stück gefertigt, er ist siebenfach gesperrt und besteht aus Streifen von Buche, Ahorn und Fichte. Mit seinen insgesamt sieben Klebefugen ist er sehr steif und krümmungsresistent. Die Brücke ist aus Ebenholz, die Kopfplattenvorderseite hat ebenfalls eine Ebenholzauflage. Darauf als Zierelement zwei aufgeklebte Celluloidstreifen, Wurlitzer hat das häufig so gemacht. Typisch sind auch die sechs Dreickseinlagen am Rand des Griffbretts. Das Celluloid-Schlagbrett hat die typische Nierenform der fünfziger Jahre. Offene, hochwertige, handgebaute Mechaniken und der typische, vernickelte Saitenhalter komplettieren die Gitarre.

Geschichte:
Unbekannt. Wir erwarben die Gitarre mit einigen anderen aus einem Nachlass. Sie war leider ziemlich ramponiert, teilweise war der Korpus aus dem Leim, verschiedene Fugen gespachtelt, der Lack sehr stark beschädigt und am abblättern. Der Pickup war nicht angeschlossen, anstelle einer Buchse klaffte ein großes Loch. Der Hals war schief eingeleimt, die Saitenlage unspielbar. Als Brücke diente eine kaputte, neuzeitliche Kompensatorbrücke, die Mechaniken waren ebenfalls billigste, moderne Fernost-Ersatzteile. Aber natürlich haben wir nicht überlegt, denn eine echte Wurlitzer muss einfach restauriert werden.

Restaurierungsarbeiten:
Als erstes haben wir die ganze Spachtelmasse entfernt und den Korpus wieder richtig verleimt. Da der hellbraune Originallack nicht mehr zu retten war, haben wir die Gitarre vollständig entlackt, geschliffen und dann mit Polierlack aufwändig wieder aufgebaut. Die Halsrückseite haben wir abgeschliffen und so diverse tiefe Kratzer und Kapodasterspuren entfernt. Auch hier kam transparenter Polierlack zum Einsatz. Halsfuß und Halsschuh haben wir so gerichtet, dass nun wieder eine perfekte Passung besteht. Aus unserem Fundus haben wir passende Mechaniken und eine Brücke aus den fünfziger Jahren ergänzt. Das nicht originale, aber zeitgenössische, schöne Nierenschlagbrett wurde aufgearbeitet. Der Rellogg-Tonabnehmer ist nun wieder mit einer neuen Standard-Klinkenbuchse verbunden und funktioniert perfekt. Griffbrett und Bundstäbchen wurden abgezogen und geölt, bzw. poliert, der originale Saitenhalter ebenfalls poliert. Am Ende noch neue Saiten aufgezogen und ein Setup durchgeführt – und die mehrere Wochen dauernde Restaurierung war abgeschlossen.

Aktueller Zustand:
Zunächst einmal das herrliche Aussehen der Gitarre – sie ist ein blonder Traum geworden, sehr elegant und filigran, es dominieren die hellen Hölzer in perfekter Abstimmung mit den dunklen Details und dem auffälligen Nieren-Schlagbrett. Die Bauweise ist echte vogtländische Handwerkskunst und qualitativ auf höchstem Niveau. Nach der Restauration ist der Zustand praktisch neuwertig und ohne Fehler. Die Gitarre ist geruchsfrei und blitzsauber. Alles funktioniert perfekt, bis hin zu den neuwertigen Mechaniken. Dank niedriger Saitenlage und flachem Halswinkel spielt sich die Gitarre butterleicht. Allzu dicke Finger sollte man bei dem schmalen Hals aber nicht haben. Griffbrett und Bundstäbchen sind einwandfrei. Der Klang ist schon akustisch wunderschön, ausgewogen, holzig und harmonisch. Am Verstärker entfaltet er sich dann vollends: Der taufrische Rellogg nimmt den weichen, warmen Ton perfekt auf, die Gitarre verlangt geradezu nach anspruchsvollen Akkordwechseln. Natürlich kann man mit ihr aber auch in die eher rockige Richtung gehen und auch Oberkrainer-Akkorde und Rhytmusspiel gelingen perfekt. In ihrem fast makellosen Zustand ein herrliches Sammlerstück, aber auch allererste Wahl für Gitarristen, die eine Erweiterung ihres Instrumentenspektrums suchen.

Maße:
Länge über alles 107 cm; Länge Korpus 53 cm; Unterbug 43 cm, Taille 26 cm, Oberbug 31,5 cm; Zargenhöhe 7 cm; Mensur 64 cm (Nullbund bis Steg); Breite Griffbrett am Nullbund 3,9 cm, am 12. Bund 4,9 cm; Gewicht 2.300 g; Saitenabstand 12. Bund 2 mm, verstellbar.

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