Musima Record, 1955 – wie Roger Super Ultra

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Musima Record, 1955 – wie Roger Super Ultra

Instrument:
Seinerzeit die teuersten Ost-Jazzgitarren, die man kaufen konnte, heute seltene Raritäten mit unerreicht gutem Klang: Die frühe Musima Record von 1955 setzt immer noch Maßstäbe. Das Modell Record sollte dann dreißig Jahre lang das Spitzenmodell der ostdeutschen Archtops bleiben. Musima begann 1952 mit Material und Maschinen der enteigneten Firmen von Wenzel Rossmeisl (Roger) und Heinrich Roth (Eroma). Der Gitarrenbaumeister Anton Lorbeer fertigte die ersten Record-Gitarren aus Originalteilen der Rossmeisls – so auch unser Modell. So ist es eigentlich das damalige Roger-Spitzenmodell, die Super Ultra, nur unter Musima-Label. Erstmals vorgestellt auf der Leipziger Messe 1955. Unsere Record trägt ein handschriftliches Datum auf der Unterseite des Schlagbretts: 21.12.1955.

Material:
Zehn Jahre nach Kriegsende waren hochwertige Materialien für den Instrumentenbau immer noch rar.  Dennoch gelang es Wenzel Rossmeisl, hochwertige Hölzer für seine Gitarren zu beschaffen, die dreischichtige Bauweise ist als „German Carve“ in die Gitarrenbau-Geschichte eingegangen. Die Decke ist aus massiver Fichter mit einem Mahagonistreifen; der Boden aus massivem, herrlich geflammtem Ahorn und ebenfalls einem Mahagonistreifen. Die Seiten bestehen aus massivem, geflammtem Ahorn. Insgesamt eine wunderbare Form mit Hohlkehle. Fünfteilig längs verleimter Hals, wie bei Roger üblich, sehr aufwändig inkl. Kopfplatte und Halsfuß aus einem Stück gefertigt! Material ist Ahorn mit zwei zentralen Mahagoni-Streifen. Ein Griffbrett aus Palisander mit Einlagen aus geflammtem Ahorn, anstatt des damals üblichen Perloids. Die zweifarbige Materialauswahl findet sich auch im aufwändig gefertigten Schlagbrett, das mit geflammtem Ahorn und einem Mahagoni-Zierstreifen belegt ist. Dazu passend die überall dicke Bindings aus braun meliertem Perloid, teils bis zu sechs-lagig ausgeführt. Mehr Aufwand geht kaum.

Technik:
Es ist noch der originale Rellog-Tonabnehmer verbaut. Vollständig im Halsende verkapselt, dazu der Klinkenausgang im Halsfuß. Nicht besonders praktisch, aber aus Gründen der Originalität haben wir das nicht verändert. Die Leistung des Rellogg ist verglichen mit modernen Pickups schwächer, erfordert also etwas mehr Power am verstärker, der Klang ist aber wunderschön weich und warm.

Geschichte:
Unbekannt, wir erhielten sie von einem renommierten deutschen Sammler, allerdings war sie ziemlich verbastelt. Die Bundstäbchen waren teilweise völlig runter. Moderne Gotoh-Mechaniken waren montiert, eine Kompensatorbrücke aus Metall, ebenfalls aus US-Fertigung. Auf der Decke am Rand des unteren Schalllochs war ein funktionsloser Volumenregler montiert. Und schließlich – man kann diese Scheußlichkeit kaum fassen – ein Schlagbretthalter aus einem neuen, simplen Baumarkt-Lochblechstreifen! Aua! Der Sammler versicherte uns ausdrücklich, er sei das nicht gewesen, wir kennen ihn und glaubten ihm das sofort. Zumal wir die Record schon länger im Visier hatten, um diese „Verbrechen“ zu beseitigen. Die Basis der Gitarre war aber hervorragend und wunderbar eingespielt. Diese mächtigen Instrumente sind sowieso gebaut für die Ewigkeit.

Restaurierungsarbeiten:
Komplettreinigung inkl. Ausblasen des Korpus. US-Mechaniken durch deutsche Schaller von Anfang der Sechziger ersetzt, optisch wie konstruktiv perfekt passend. Original Nitrolack mit Ballenpolitur in mehreren Durchgängen aufgearbeitet. Bundstäbchen erneuert, Griffbrett abgerichtet und geschliffen, dann eingeölt. Das Schlagbrett haben wir ebenfalls poliert und das gräßliche Lochblech durch einen Hoyer-Winkel ersetzt. Auch die US-Brücke musste einem deutschen Ebenholz-Modell aus den Sechzigern weichen. Den Regler haben wir entfernt und das Loch geschlossen und retuschiert. Setup und neue Saiten montiert.

Aktueller Zustand:
Diese wunderschöne, ganz frühe Record ist nun wieder in einem authentischen und zeitgemäßen Topzustand. Der schön glänzende Originallack und die wunderbar harmonische Farbgestaltung der Bestandteile, verbunden mit der wunderschönen leichten Patina sind eine Augenweide! Die New-Old-Stock-Mechaniken funktionieren perfekt. Die Gitarre hat einen herrlichen, unglaublich vollen Klang mit viel Volumen – hier hört man das massive Holz! Die dicke Decke verlangt aber eigentlich 12er-Saiten und einen beherzten Anschlag für volle Soundentfaltung. Da dies nicht jedermanns Sache ist, haben wir 11er Rundkern-Bronze montiert. Die Record muss abgesehen von den geschmacklosen „Optimierungen“ während der letzten 65 Jahre überwiegend recht pfleglich behandelt worden sein, denn es finden sich nur wenige Beschädigungen, angesichts des Alters wirklich bemerkenswert. Das Finish des Halsendes über dem Tonabnehmer ist nicht perfekt. Es gibt ein paar wenige Mikro-Lackrisse sowie die eine oder andere kleine Delle bzw. Kratzerchen. Die Spielspuren (Dellen) im Schlagbrett haben wir gelassen, nur einmal ordentlich überlackiert. Selbstverständlich gibt’s aber keine Brüche, Risse oder sonstige Beschädigungen im Holz, alle Leimstellen sind bombenfest. Die Bespielbarkeit ist hervorragend mit angenehm tiefer Saitenlage. Griffbrett und Bundstäbchen sind wieder perfekt, riefenfrei und neuwertig. Die Gitarre ist 100% geruchsfrei und sauber! Was Rossmeisl hier mit einfachsten Mitteln geleistet und Anton Lorbeer schließlich vollendet hat, verdient allerhöchsten Respekt! In diesem Zustand ein wunderbar zu spielendes Instrument, aber auch eine sehr seltene Gelegenheit für seriöse Sammler. Ein Stück deutsche Gitarrengeschichte und mit Sicherheit eine gute Wertanlage.

Maße:
Länge über alles 109 cm; Länge Korpus 54 cm; Unterbug 42,5 cm, Taille 26 cm, Oberbug 31,5 cm; Zargenhöhe 9 cm; Mensur 64 cm (Nullbund bis Steg); Breite Griffbrett am Nullbund 4,1 cm, am 12. Bund 5,3 cm; Gewicht 3.200 g; Saitenabstand 12. Bund 2 mm (einstellbar).

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