Migma „Schaugitarre“, L. Kerner, 1959

1.599,00 € *

Zzgl. Versandkosten. Keine MwSt. wg. § 19 UStG.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 1-3 Werktage

  • 597
Instrument: Diese maximal extravagante Gitarre stammt aus dem Jahr 1959 und wurde vom... mehr
Migma „Schaugitarre“, L. Kerner, 1959

Instrument:
Diese maximal extravagante Gitarre stammt aus dem Jahr 1959 und wurde vom Gitarrenbaumeister L. Kerner für die MIGMA, die Musikinstrumenten-Handwerker-Genossenschaft Markneukirchen gebaut und als „Showgitarre für Bühne und Varieté“ angeboten. Exakt dieses Instrument wurde in Heft 5/2020 ausführlich in der GrandGTRs besprochen – den Artikel finden Sie hier. Sie ist von den Maßen her baugleich mit der Musima Record 15 der 2. Serie. Seinerzeit dürfte sie nur den höchsten Parteikadern oder prominentesten, linientreuen Musikern vorbehalten gewesen sein. Für DDR-Normalbürger blieb sie ein unerreichbarer Traum.

Material:
Die Gitarre ist komplett aus Ahorn gefertigt – eine typische Geigenbauergitarre. Alle Flächen sind sehr kunstfertig mit rot marmoriertem und glänzend spiegelglattem Perloid bezogen. Die Technik dafür war bewährt und stammt aus dem Akkordeonbau. Auch der Hals ist aus Ahorn mit einem Palisander-Griffbrett. Er ist mit einem Stauffer-Legnani-System im Korpus verschraubt. Bindings, Kopfplattenauflage, Mechanikgriffe, Griffbretteinlagen und Tonabnehmergehäuse sind aus cremeweißem Kunststoff, das Schlagbrett zweilagig mit einer schwarzen Basis. Offene Messing-Mechaniken und ein wunderschön ziselierter, vernickelter Saitenhalter. Die schwarz gebeizte Palisanderbrücke hat weiße Zierstreifen aus Celluloid, der Sattel ist fünflagig. Hier wurde ausschließlich nur das beste Material verbaut, was damals zu bekommen war.

Technik:
Der Single Coil Tonabnehmer stammt aus der ersten Serie des VEB Simeto (Volkseigener Betrieb Signal-, Mess- und Tongeräte). Er ist direkt mit der neuen Standard-Klinkenbuchse im Unterbug verbunden.

Geschichte:
Leider zwischen 1959 und 2019 unbekannt – die Gitarre hätte sicher viel zu erzählen und bestimmt auch einen prominenten DDR-Vorbesitzer… Vielleicht taucht ja irgendwann einmal ein altes Bühnenfoto auf… Der Zustand, in dem wir sie bekamen, ist in der GrandGTRs im Detail fotografiert und beschrieben. Ein früher Besitzer mit eher grobmotorischer Prägung hatte eine Klinkenbuchse quer durch Schlagbrett und Decke gebohrt, das Schlagbrett grob für den Pickup ausgesägt und eine überdimensionierte Eisenaufhängung in den Hals gedengelt. Die eine Seite der Buchsenhalterung war abgebrochen. Mit dieser Konstruktion wurde der ebenfalls nachträglich installierte Simeto-Pickup angesteuert. Die Hardware war angelaufen, im Griffbrett ein paar Riefen, die Oberflächen nikotin-matt, der Halsfuß unsauber in seiner Führung und der Hals etwas krumm. Im Innenraum fanden sich unzählige Wollmäuse und reichlich sicher noch originaler DDR-Staub.

Restaurierungsarbeiten:
Vollständig zerlegt und aufwändig gereinigt, Korpus ausgeblasen, Perloid-Oberflächen mit Ballenpolitur in mehreren Durchgängen aufgearbeitet – das glänzt wieder spiegelglatt und traumhaft schön. Das dicke Klinkenbohrloch in der Decke haben wir geschlossen und retuschiert. Die Staufferschraube wurde gängig gemacht, der Hals korrekt ausgerichtet neu montiert und die Fugen sauber verleimt. Die Halskrümmung haben wir fast komplett beseitigt, die Riefen im Griffbrett aufgefüllt, das Griffbrett sauber abgezogen und geölt. Die Bundstäbchen wurden geschliffen und poliert. Das eingesägte und durchbohrte Schlagbrett konnten wir nicht retten, nach der Vorlage haben wir ein neues aus altem, zweilagigem Celluloid angefertigt und ordentlich montiert – ohne den dicken, alten Eisenwinkel. Anstatt der kaputten Plastikklinkenbuchse verrichtet nun eine moderne Klinkenbuchse im Unterbug ihren Dienst – da, wo sie hingehört. Die schwarz angelaufenen Messing-Mechaniken haben wir aufgearbeitet, wieder zum glänzen gebracht und poliert, abschließend geölt, die fehlenden Messinghülsen wurden durch passende Neuteile ersetzt. Der Saitenhalter wurde poliert, die Brücke nachgebeizt und geölt. Abschließend haben wir neue Saiten montiert und eine Grundeinstellung durchgeführt.

Aktueller Zustand:
So eine Gitarre ist heute eine Mega-Rarität und optisch an Extravaganz nicht zu überbieten. In 25 Jahren haben wir nur diese eine gesehen. Der Zustand ist nun wieder einwandfrei, alles ist stabil, fest und voll nutzbar und funktionsfähig, dabei perfekt sauber und geruchsfrei. Die Saitenlage ist gut, die Spielbarkeit bis zum 12. Bund perfekt, lediglich darüber gibt es 2-3 Dead Notes. Der Klang ist schon akustisch überraschend voll, warm und durchsetzungsfähig, „frisch, offen und luftig“ heißt es im Testbericht. Am Verstärker zeigt der Simeto, was er kann: „Gibson P90-Anmutung…“ liest man hier im Testbericht – wir können das mehr als bestätigen. Dabei ist die Gitarre mit ihrer Elektrik-Minimalausstattung durchaus vielseitig, von Bebop bis Blues, von Freddy Green bis B.B. King ist alles drin. Und in einer der wieder mehr in Mode kommenden Tanzkapellen oder bei den Oberkrainern wäre die Migma unangefochtener Bühnenstar. Diese Gitarre ist aber nicht nur gut spielbar, sondern vor allem anderen eine seltene Gelegenheit für Sammler und Schmuckstück für jede Vitrine. Und wer hat schon einen langen GrandGTRs-Artikel über „seine“ Gitarre?

Maße:
Länge über alles 108 cm; Länge Korpus 52 cm; Unterbug 43 cm, Taille 27 cm, Oberbug 32 cm; Zargenhöhe 7,5 cm; Mensur 64 cm (Nullbund bis Steg); Breite Griffbrett am Nullbund 4,2 cm, am 12. Bund 5,2 cm; Gewicht 2.590 g; Saitenabstand 12. Bund 2-3 mm (einstellbar).

Weiterführende Links zu "Migma „Schaugitarre“, L. Kerner, 1959"
Zuletzt angesehen